UNESCO-Weltwasserbericht 2012 warnt vor Wasserkrise.Wassermanagement stärker in die internationale Politik integrieren
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TOP-News UNESCO 18.03.2012 17:56

UNESCO-Weltwasserbericht 2012 warnt vor Wasserkrise.Wassermanagement stärker in die internationale Politik integrieren


Pressemitteilung, 12. März 2012
UNESCO-Weltwasserbericht 2012 warnt vor Wasserkrise
Wassermanagement stärker in die internationale Politik integrieren
Die weltweit steigende Nachfrage nach Wasser und die ungleiche Verteilung von Wasser können sich zu einer ernsthaften Krise ausweiten. Das geht aus dem vierten UNESCO-Weltwasserbericht hervor, der heute auf dem Weltwasserforum in Marseille vorgestellt wird. Bevölkerungswachstum und neue Konsummuster lassen den Wasserverbrauch ansteigen. Gleichzeitig verschärfen Klimawandel, Verschmutzung und Übernutzung den Mangel an sauberem Trinkwasser in vielen Regionen. Zudem konkurrieren Landwirtschaft, Industrie und Energieversorger stärker um die Ressource Wasser. Der Bericht fordert angesichts dieser Situation dringend eine bessere internationale Zusammenarbeit.

Fast 900 Millionen Menschen haben heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen können keine sanitären Anlagen nutzen. Dieses Problem könnte sich laut Weltwasserbericht in Entwicklungsländern verschärfen, weil mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Die Autoren rechnen mit erheblichen Auswirkungen auf die Ökosysteme. Bereits heute landen weltweit mehr als 80 Prozent des Abwassers unbehandelt in Flüssen, Seen und im Meer. Verunreinigtes Trinkwasser ist weltweit die Hauptursache für Cholera und Durchfallerkrankungen. Jedes Jahr sterben etwa 3,5 Millionen Menschen an den Folgen schlechter Wasserversorgung.

Wächst die Weltbevölkerung wie derzeit prognostiziert, wird bis 2050 etwa 70 Prozent mehr Nahrung benötigt. Damit wird sich auch der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft um 20 Prozent erhöhen. Der Großteil des Zuwachses wird auf Regionen entfallen, die bereits heute an Wassermangel leiden. Die Autoren warnen, dass diese Zahlen sogar noch höher sein könnten, wenn nicht effizienter produziert wird. Vor allem die Herstellung von tierischen Lebensmitteln ist wasserintensiv. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden bis zu 15.000 Liter Wasser benötigt. Weltweit werden 70 Prozent des Süßwassers für die Herstellung von Nahrung verbraucht.

"Der Bericht zeigt eindringlich, wie das Bevölkerungswachstum und die Globalisierung die Wasserkrise verschärfen. Industriestaaten importieren große Mengen an Nahrungsmitteln, in denen virtuelles Wasser steckt. Viele dieser Produkte stammen aus wasserarmen Entwicklungsländern und leisten dort nur einen geringen Beitrag zum Bruttosozialprodukt. Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Staaten werden die steigende Nachfrage nach Wasser nur mit verstärkter Kooperation lösen können", sagte Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission.

Der Bericht fordert, Wassermanagement stärker in die internationale Politik zu integrieren. In vielen Ländern hat das Thema derzeit eine zu geringe Priorität. Zugleich ist die Entwicklungshilfe für den Wassersektor zurückgegangen. Zwar haben 89 Prozent der Weltbevölkerung heute Zugang zu sauberem Trinkwasser. Damit ist eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen vor 2015 erreicht. Doch in Afrika und Nahost ist das Problem weiter akut. Bei den sanitären Anlagen wird das Millenniumsziel bis 2015 nicht erreicht. Nur 63 Prozent der Weltbevölkerung benutzen derzeit saubere Toiletten. Im Jahr 2015 werden es voraussichtlich 67 Prozent sein. Das Ziel liegt jedoch bei 75 Prozent.


Seit 2003 erscheint alle drei Jahre der Weltwasserbericht. Er wird vom globalen Wasser-Bewertungsprogramm (WWAP) erstellt, für das die UNESCO federführend ist und in dem 19 andere UN-Organisationen mitarbeiten. Das Thema des vierten Weltwasserberichts lautet: "Wasserbewirtschaftung – Unsicherheiten und Risiken". Schwerpunkte sind Landwirtschaft, Wasserversorgung, Energieerzeugung, Gesundheit und Wasserressourcen. In drei Bänden auf 1.000 Seiten beschreibt der Weltbericht die globale Situation und schlägt dringend nötige Maßnahmen vor.




Deutschen UNESCO-Kommission e.V.
Redaktion: Dieter Offenhäußer / Farid Gardizi, Colmantstraße 15, 53115 Bonn
www.unesco.de


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